Ich war im Gefängnis

 

Solidarität mit politischen Gefangenen in der Türkei

Beindruckende Veranstaltung am 11.12.2019 im Wetzlarer Dom

Anlässlich des Tags der Menschenrechte fand

im Wetzlarer Dom eine sehr würdevolle Veranstaltung zur Solidarität mit politischen Gefangenen in der Türkei statt. Die Veranstalter hatten dabei unten den vielen Opfern der politischen Willkür in der Türkei Menschen ausgewählt, die in Mittelhessen bekannt sind. Der Gießener Patrick Kraicker wollte 2018 in der Türkei wandern. Weil er militärisches Sperrgebiet betreten haben soll, wurde er zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Auch die deutsch-kurdische Künstlerin Hozan Cane aus Köln ist in der Türkei mit der gleichen Haftstrafe belegt worden. Im Juni 2018 war die 47-jährige (bürgerlicher Name: Saide Inac), während des Wahlkampfs der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen worden. Der Vorwurf: Mitglied einer Terrororganisation und Propaganda für die HDP.

 

»Die Zahl der Deutschen

in türkischen Gefängnissen hat in diesem Jahr noch zugenommen. Davon ist aber in den deutschen Medien kaum noch etwas zu hören«, beklagte der  Sozialwissenschaftler Adil Demirci aus Köln. Demirci saß, wie auch Can Dündar, Peter Steudtner und Deniz Yücel in der Haftanstalt »Nummer 9« in Silivri an der Küste des Marmarameeres. Die Teilnehmer*innen forderten Freiheit für die zu Unrecht Inhaftierten in türkischen Gefängnissen. Transparente unterstützten die Aussagen mit Aufschriften wie »Free Hozan – Free Patrick«, »Remember Syria«, »Pace« oder Asyl ist Menschenrecht“. 100 brennende Kerzen bildeten das Wort »Freiheit«. Eingeladen hatten gemeinsam: die Alevitische Gemeinde Wetzlar, die Deutsch-Kurdische Gesellschaft Gießen (DKG), hessencam, die Jusos Lahn-Dill, der Kurdisch-Demokratischer Kulturverein Wetzlar, die Flüchtlingshilfe Mittelhessen und die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD).

 

Die bewegenden Beispiele von Betroffenen hatten die Veranstalter unter das Motto „Ich war im Gefängnis“ gesellt – ein Zitat aus der Bibel, wie Pastoralreferent Joachim Schaefer erläuterte, der durch das Programm führte. In der Nikolauskapelle war eine Gefängniszelle nachgebildet worden: Ein enger Raum, mit einfachem Bett, Schreibtisch und Stuhl. Außerdem lief eine Projektion, die auf das Schicksal Inhaftierter aufmerksam macht. Dort könnten bis bis Weihnachten Solidaritätspostkarten für die Haftentlassung von Kraicker und Cane geschrieben werden. —› Hessencam filmte die einzelen Beiträge, die in der Dateailansicht unten aufgerufen werden können.

 

Filmbeiträge und Details zu der Veranstaltung

Adil Demirci: Ich war im Gefängnis

Der Kölner Sozialwissenschaftler und freie Journalist im Gespräch über seine Erfahrungen im türkischen Gefängnis. 20018/2019 verbrachte Adil Demirci 10 Monate als politischer Gefangener in der Strafvollzugsanstalten Silivri.

Mehr Infos unter: —› Stimmen der Solidarität auf Facebook

 
 

Lasst Patrick endlich frei!

Seit fast 1 1/2 Jahren sitzt Patrick Kraicker aus Gießen in einem türkischen Gefängnis. Er wurde von türkischen Sicherheitskräften unter dem Vorwand der »Unterstützung einer Terrororganisation« in der kurdischen Region Nusaybin/Silopi, nahe der türkisch-syrisch-irakischen Grenze festgenommen.

Sie werfen Patrick vor, geplant zu haben, die Grenze nach Syrien zu überqueren, um sich dort der kurdischen YPG anzuschließen. Dabei gibt es keinerlei Anzeichen für einen derartigen Schritt: Patrick Kraicker ist weder kurdischer Herkunft, noch hat er sich bislang in irgendeiner Weise politisch aktiv für die Belange der Kurden eingesetzt. Nicht nur unter den Kurden in Gießen ist er gänzlich unbekannt, auch den Sicherheitsbehörden liegen über Patrick keinerlei Informationen vor.

Auch hat Patrick nicht, wie von türkischer Seite behauptet, vier Jahre lang bei der Bundeswehr gedient, noch war er BND-Mitarbeiter. Sowohl das Verteidigungsministerium als auch Familienangehörige widersprechen dieser Information. Er wurde sogar vom Wehrdienst ausgemustert. Nach Darstellung seiner Familienangehörigen wollte Patrick lediglich in der kurdischen Region wandern und in Nusaybin die Großeltern seines Jugendfreundes besuchen.

Deshalb ist er mit einem Biligflug nach Gaziantep geflogen und hat sich auf dem Landweg nach Nusaybin begeben. Vor dem Treffen mit den Großeltern seines Jugendfreundes wurde er festgenommen. Die Mutter des in der Türkei inhaftierten Patrick Kraicker hat Foltervorwürfe erhoben. In einem Telefongespräch habe ihr Sohn gesagt, dass ihm die Augen verbunden wurden, dann sei er geschlagen und gefoltert worden, sagte Claudia S. der »Gießener Allgemeinen Zeitung«.

Anfang September 2019 wurde er von Elazig im Osten der Türkei nach Maltepe bei Istanbul verlegt. Seine Mutter berichtet, dass ihr Sohn im neuen Gefängnis beschimpft und beleidigt werde, vor zwei Wochen sei er in eine Schlägerei mit einem Zellengenossen verwickelt gewesen. »Er hat die Schikane nicht mehr ausgehalten«, sagt seine Mutter, die einmal in der Woche mit ihrem Sohn telefonieren kann. Aus dem Weg gehen könne er seinen Peinigern nicht, im Gegenteil: »Mein Sohn muss sich eine Zelle mit 15 Männern teilen.«

Mit Veysel Ok hat Kraicker einen prominenten Rechtsanwalt. Ok hat schon den Journalisten Deniz Yücel vertreten. Allerdings hat er Claudia S. zuletzt keine guten Nachrichten überbringen können. Demnach ist die eingelegte Berufung abgelehnt worden. Nun würde die Angelegenheit vor das höchste türkische Gericht gehen. Dies könne bis zu zwei Jahre dauern, und erst danach sei ein Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte möglich. »Das hat mich nach hinten geworfen«, sagt Claudia S, »und mein Sohn ist auch nicht begeistert.« Man kann nur hoffen, dass Vertreter der Bundesregierung genauso vehement seine Freilassung fordern wie die Menschenrechtsaktivisten in Wetzlar.

—› #freepatrick #giessen

 
 

Freiheit für Said Malke

Rede einer ESU-Vertreterin (European Syriac Union), Nursel Mischel, am Internationalen Tag der Menschenrechte 12 am Di., 10.12.2019 in Gießen.

 
 

Mehmet Tanriverdi: »Die Bundesregierung lässt sich erpressen!«

Die Rede von Mehmet Tanriverdi (Vorstandsmitglied der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V.) am Internationalen Tag der Menschenrechte am Di., 10.12.2019 in Gießen.

 
 

Gefängniszelle im Wetzlarer Dom

In der Nikolauskapelle des Wetzlarer Doms hat hessencam eine Gefängniszelle installiert. Die Dombesucher*innen können ein wenig nachempfinden, was es heißt, inhaftiert zu sein.

Die symbolische Aktion soll aufmerksam machen, auf die zahlreichen politischen Gefangenen in der Türkei. Besonderes Augenmerk hat die Präsentation auf Patrick Kraicker, Hozan Cane und Gölün Örs, die in der Türkei festgehalten werden.

In der Gefängniszelle liegen Postkarten aus, die man den Inhaftierten schicken kann.

 
 

Näher Informationen zu der Veranstaltung

Am 10. Dezember 1948 erfolgte die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Obwohl diese Verlautbarung bereits 71 Jahre her ist, finden dennoch weltweit massive Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte statt.

Die Veranstalter wollen am 11. Dezember 2019 – im Rahmen der Gedenktage für Menschenrechte – einen Blick auf die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei richten: Wir eröffnen an diesem Abend eine nachgestellte Gefängniszelle in der Nikolauskapelle. Eine Woche haben die Dombesucher*innen zu den Öffnungszeiten des Doms die Möglichkeit, ansatzweise nachzuempfinden, was es heißt eingesperrt zu sein.

Der Abend für die Menschenrechte beginnt um 19.00 Uhr

Die Veranstalter wollen mit der Solidaritätsaktion im Dom besonders auf vier Menschen aufmerksam machen, die den Wetzlarer*innen nicht unbekannt sind: 

  • Die Veranstalter haben den Kölner Sozialwissenschaftler und freien Journalist Adil Demirci eingeladen. Herr Demirci hat im letzten Jahr selbst 10 Monate in türkischer Haft verbringen müssen. Die Kölner Oberbürgermeisterin sagte jüngst über ihn: »Sie sind nicht nur ein Opfer, sondern auch ein Mann, der sich unbeugsam für europäische Werte einsetzt.«

    Die Veranstalter hoffen, dass sein Erfahrungsbericht das Engagement der Wetzlarer*innen für die Menschenrechte stärkt. Er wird auch aktuell berichten können, wie es Hozan Canê und ihrer Tochter Gönül (Dilan) Örs geht.

  • Im letzten Jahr war Gönül (Dilan) Örs zu Besuch und bat um Unterstützung zur Freilassung  ihre Mutter Hozan Canê, eine berühmte Sängerin, die 2018 zu 6 Jahren Haft verurteilt wurde.
 
 
  • Tragischerweise ist nun auch Frau Örs während eines Besuches in der Türkei festgenommen worden. Tochter und Mutter, beide deutsche Staatsbürger, sind nun in einem türkischen Gefängnis.

  • Patrick Kraicker, ein junger Mann aus Gießen, ist ebenso verurteilt worden und wartet auf sein Berufungsverfahren. Patricks Hoffnung schwindet von Tag zu Tag. Seine Haftbedingungen sind menschenunwürdig. Seine Mutter wird am 11. Dezember im Wetzlarer Dom anwesend sein. 

Der Fall der drei deutschen Gefangenen in der Türkei zeigt einmal mehr die Härte, die der türkische Staatspräsident Erdogan einsetzt, um seine Kritiker mundtot zu machen. Dieser Zustand für untragbar.

Die Gefängniszelle im Wetzlarer Dom
ist der Versuch, Menschen zu einem kleinen Solidaritätszeichen zu bewegen. Es werden Postkarten ausliegen, die man den drei Inhaftierten schicken kann - als Mutmacher gerade in den besinnlichen Tagen um die Jahreswende. Ebenso kann man eine Karte an den deutschen Außenminister Heiko Maas einwerfen. Er ist der erste Ansprechpartner, wenn es um die Freilassung deutscher Staatsbürger im Ausland geht.

Am Ende der Veranstaltung
wird noch eine junge Frau reden, deren Asylantrag gerade abgelehnt wurde. Ihr Schicksal wird die Frage aufwerfen, wie es in Deutschland mit dem Schutz und der Grenzenlosigkeit der Menschenrechte bestellt ist. 

Es soll kein Abend mit langen Vorträgen werden.
Alle Beiträge sind interaktiv gestaltet. Der Abend wird umrahmt mit musikalischen Beiträgen und Bildpräsentationen.

Pressegespräch um 18:00 Uhr
Eine Stunde vorher, um 18.00 Uhr, bieten die Veranstalter ein Pressegespräch in der Nikolauskapelle an, in dem unsere Gäste für ein Interview zur Verfügung stehen. 

 
 
 
 

Ansprechpartner für die Veranstaltung

  • Joachim Schaefer
    Pastoralreferent der kath. Domgemeinde,
    Goethestraße 2 | D 35578 Wetzlar,
    Tel.: 06441/445580,
    —› Mail senden?
 
 

Hier können Sie den Veranstaltungsflyer downloaden

 

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