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Keine Aufmärsche der Rechten in Haiger

 

Haiger: 700 demonstrieren gegen Rechts

»Wir wollen keine Aufmärsche der Rechten bei uns in Haiger!«

erklärten DGB und viele Bürgerinnen und Bürger in Haiger und refen zur Gegenwehr am 29. April auf. »Diese Aufmärsche – neuerdings auch verharmlosend »Spaziergänge« genannt – dienen als Plattform für ihre menschenverachtenden Parolen, durchsetzt von Ausländerfeindlichkeit. Sie stehen auch für eine rückständige Politik, die Lösungen nicht in der Zukunft, sondern in einer Unheilvollen Vergangenheit sucht. Wir wehren uns dagegen! Die Befürchtungen, die Demonstration »Haiger steht auf« könnte zu einer Plattform für Rechtsgesinnte werden, mobilisierte die demokratischen Kräfte über Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg. Bei der Kundgebung »Haiger steht auf gegen Rechts« gingen am Freitagabend nach Angaben der Dill-Post und Dill-Zeitung fast 700 Leute auf die Straße.

 

 

 

Bildergalerie »Haiger steht auf« Kundgebung und Demonstration am 29. April 2016

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»Gut 700 Teilnehmer« sind nach Angaben der lokalen Zeitungen – die sich auf Schätzungen der Polizei berufen – dem Aufruf der DGB-Region Mittelhessen zu einer Gegenkundgebung »Haiger steht auf gegen Rechts« gefolgt. Auf dem Aurelplatz verfolgten zwischen 450 und 500 Menschen die Reden und machten mit lauten Trillerpfeifenkonzerten deutlich, dass Haiger »bunt und nicht braun« ist. Gleichzeitig machten am Marktplatz rund 200 Demonstrantinnen und Demonstranten ihren Unmut mit Trillerpfeifen deutlich, so dass die dortigen Redner kaum oder nur schwer zu verstehen waren.

Auf dem Aurelplatz hingegen herrschte ausgelassene Stimmung. Überall, wo man hinsah, bunte Schilder, Luftballons und Fahnen. Der Geschäftsführer der DGB-Region Mittelhessen, Matthias Körner, der die Kundgebung leitete, zeigte sich beeindruckt: »Haiger ist in der Lage zu zeigen: Wir wollen euch hier nicht haben.«

Als weitere Rednerinnen und Redner ergriffen der Kreisbeigeordnete Stephan Aurand (SPD); Lehrerinnen und Lehrer der Haigerer Schulen; Pfarrer Peter von der Katholischen Kirche; Heinz Lemler vom SPD Ortsverein; der erste Bevollmächtigte der IG Metall Herborn, Hans-Peter Wieth; Joscha Wagner von den Jusos sowie der DGB-Jugend; sowie der Syrische Flüchtling Homam das Wort.

Sozialdezernent des Lahn-Dill-Kreises Stephan Aurand, untermauerte: »Es ist ein tolles Bild, was sich einem von hier oben bietet«, sagte er von der Bühne ins Publikum blickend: »Es ist fantastisch und bunt. Die ganze Region steht auf gegen Rechts.«

Heinz Lemler von der Haigerer SPD: »Wenn ich über den Platz schaue und das Bunte sehe, dann bin ich fast sprachlos.«

Vertreter der Schulleitungen der Haigerer Schulen erzählten gemeinsam von ihrer Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern zu der Frage »wie soll die Welt sein, in der ihr leben möchtet?« Guido Ax, der Schulleiter der Grundschule Haiger, verwies auf das Hessische Schulgesetz, das die Schulen darauf verpflichtet, zu Toleranz und Frieden zu erziehen. Schulleitungsmitglieder aus Langenaubach, der Johann-Textor-Schule und des schulischen Beratungs- und Förderzentrums in Haiger zitierten Aussagen von ihren Schülerinnen und Schülern zu der Frage.

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Herborn, Hans-Peter Wieth, erinnerte daran, dass Gewerkschaften zu den Organisationen zählten, die 1933 von den Nazis verboten wurden. »Meinen Vorgänger des Metallarbeiterverbandes haben sie aus dem Büro geschleppt und verprügelt. Viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wurden verhaftet, in KZs verschleppt oder gar ermordet. Alleine das ist schon ein Grund, warum wir diese Veranstaltung unterstützen.« Wieth schilderte die gute Zusammenarbeit in den Belegschaften der Haigerer Betriebe zwischen Menschen deutscher und nichtdeutscher Herkunft. Und er ging auf die kulturellen, politischen und kulinarischen Bereicherungen ein, die die Migrantinnen und Migranten in unsere Gesellschaft einbringen.

Joscha Wagner (Jusos und DGB-Jugend) klagte an, dass purer Rassismus und menschenverachtende Äußerungen unter dem Deckmantel »das wird man ja wohl noch sagen dürfen« alltäglich geworden sei. Für die Jusos sei der Kampf gegen den Faschismus und rechtes Gedankengut seit jeher das bestimmende Thema. »Spätestens seit der Enttarnung des NSU und den andauernden Wahlerfolgen der sogenannten Alternative für Deutschland, beobachten wir die gesellschaftlichen Entwicklungen in diesem Land mit großer Sorge. Es ist alltäglich geworden, dass Anschläge auf Schutzsuchende und ihre Unterkünfte verübt werden. Es ist alltäglich geworden, dass die ›braunen Hemden‹ wieder aufmarschieren, sei es im Osten der Republik oder heute Abend hier in Haiger.« 

Wagner erklärte: »Ja, ich bin ein Antifaschist! Und das seit meinem 12. Lebensjahr, als ich erstmals das Tagebuch der Anne Frank gelesen habe.« Wir werden immer wieder auf die Straße gehen, wenn Rechte versuchen den öffentlichen Raum zu erobern. Warum? Weil wir in Zeiten aufgewachsen sind, in denen es selbstverständlich war, europaweit ohne Passkontrolle zu reisen. In denen der Dialog gesucht und nicht auf nationale Abschottung gesetzt wurde. In denen es selbstverständlich war, dass wir Menschen, die nicht innerhalb dieser Staatsgrenze geboren wurden, genauso als Menschen respektieren und tolerieren, wie alle anderen Menschen auch.« Sein Fazit: »Wir wollen eine Welt, in der die Herkunft, das Geschlecht oder auch die sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielt. Der Kern der rechtsextremen Ideologie ist die Ungleichwertigkeit von Menschen und lehnt all diese Ziele und Errungenschaften ab.« Am Ende der rechtsextremen Ideologie stehe die Ausgrenzung und Vernichtung ihrer Feinde.

Alle Rednerinnen und Redner zeigten sich unter starkem Beifall und einem Trillerpfeifenkonzert von der großen Resonanz auf ihre Veranstaltung beeindruckt. »Man hat geschaut, ob in Haiger überhaupt was geht«, sagte Körner an die Adresse der rechten Organisatoren von »Haiger steht auf!«. Dann holte er die Organisatoren von »Haiger steht auf gegen Rechts« auf die Bühne und dankte ihnen für ihr geleistetes Engagement. »Wir haben heute deutlich gemacht, dass Haiger nicht der Ort für Rechtspopulismus ist,« sagte Körner in Richtung der Rechten.

Den meisten Applaus aber bekam Homam. Der Syrer, der aus seinem Land flüchten musste, richtete an die Demonstrantinnen und Demonstranten die Worte, die am meisten bewegten: »Wir haben seit fünf Jahren Krieg in Syrien, sind so lange ohne Wasser und Elektrizität. Es war die letzte Lösung, hierher zu kommen. Aber wir haben hier eine neue Familie gefunden – Thanks a lot!«

Während dessen versammelten sich auf dem Marktplatz 80 Anhänger von »Haiger steht auf«, wie gesagt – zunächst: Denn die Rechten erfuhren gleich zu Beginn einen Aderlass. 30 junge Leute der als rechtsextremistisch eingestuften Splitterpartei der »III. Weg«, die mit Schildern »Asylflut stoppen« angerückt waren, kehrten der Veranstaltung bereits kurz nach dem Beginn der Kundgebung den Rücken. Die Presse vermutet, dass ihnen die Äußerungen der Sprecherin von »Haiger steht auf« nicht gefallen habe, beim Türken Obst und Gemüse zu kaufen und Wohnungen an Ausländer zu vermieten. Dem Reporter, der sie nach dem Grund für ihren schnellen Abgang fragte, erklärten sie: »mit ›Schwachmaten‹ (ein von den neofaschistischen Gruppen benutzter Begriff zur Bezeichnung von ›Schwächlingen‹) reden wir nicht.«

Groß angekündigt war von »Haiger steht auf« der Hauptredner Dominik Röoeseler. Der ehemalige Funktionär, der aus der als verfassungsfeindlich betrachteten Kleinpartei »Pro-NRW« ausgeschlossen worden ist, beklagte sich »wie im Zoo eingesperrt« zu sein. Denn die Polizei hatte den Veranstaltungsort vor dem Rathaus mit starken Kräften abgeriegelt und Gitter als Barrieren aufgestellt. Nicht ganz einfach hatten es die »Haiger steht auf«-Teilnehmer auf ihrem erbärmlichen Marsch mit 30 Leuten durch die Innenstadt. Empörung und Beschimpfung gab es reichlich, als der von der Polizei abgeschirmte Zug auf eine große Zahl von Gegendemonstranten am Straßenrand traf.

Joachim Schaefer von hessencam filmte die Rede Roeselers. Er schreibt dazu auf Facebook: »Gut, dass es kaum einer gehört hat. Islamhass und blasphemische Hetze auf dem Marktplatz von Haiger. Trotzdem muss man es wissen, um etwas dagegen tun zu können! Man kann das nicht einfach so stehen lassen!« Er habe bei der Polizei vor Ort den Straftabestand angezeigt, die Ordnungskräfte hätten Toeseler aber weiter sprechen lassen.
→ Siehe auch nachfolgendes Video

 
 
 

Islamhass und blasphemische Hetze - Polizei schreitet nicht ein

Joachim Schaefer von hessencam filmte die Rede von dem Hauptredner bei »Haiger steht auf«, Dominik Roeseler, der aus der als verfassungsfeindlich betrachteten Kleinpartei »Pro-NRW« ausgeschlossen worden ist. Schaefer schreibt dazu auf Facebook: »Gut, dass es kaum einer gehört hat. Islamhass und blasphemische Hetze auf dem Marktplatz von Haiger. Trotzdem muss man es wissen, um etwas dagegen tun zu können! Man kann das nicht einfach so stehen lassen!« Er habe bei der Polizei vor Ort den Straftabestand angezeigt, die Ordnungskräfte hätten Roeseler aber weiter sprechen lassen.