MITMACHEN

 

Demokratie braucht bürgerschaftliches Engagement, Zivilcourage und Toleranz!

 

Verleihung des Lina-Muders-Preis 2016

Preisträger sind 2016 gemeinsam

Bettina Twrsnik (Leiterin der Phantastischen Bibliothek) »für ihre unermüdliche Arbeit zur Begleitung und Unterstützung von Menschen, die aus purer Angst um Leib und Leben ihre Heimat verlassen und Schutz suchend sind«. Und die Albert-Schweitzer-Schule (Wetzlar) sowie deren Förderverein »für die engagierte Aufnahme und schulische Begleitung von Flüchtlingskindern als ein Zeichen zur Wahrung der Menschenwürde«. Der Preis wurde zu gleichen Teilen von je 250,-- Euro vergeben.

 

Bilder von Heiner Jung

2016-02-15_Lina-Muders-Preis_01.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_02.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_03.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_04.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_05.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_06.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_07.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_08.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_09.jpg
2016-02-15_Lina-Muders-Preis_11.jpg

1 bis 10 von insgesamt 10

Nach oben

 

Laudatorin: Irmtrude Richter

Verehrte Gäste,
verehrte Mitglieder der Jury,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Kolleginnen und lieber Kollege der Albert-Schweitzer-Grundschule!

Für den diesjährigen Lina-Muders-Preis habe ich die Albert-Schweitzer-Grundschule und ihren Förderverein vorgeschlagen.

Ich möchte Ihnen und Euch gerne erläutern, was mich dazu bewogen hat.

Zunächst einmal mutet die Albert-Schweitzer-Schule an wie eine der vielen öffentlichen Grundschulen auch. Sie ist belastet durch die eher schlechte als rechte Lehrerversorgung, durch bei weitem nicht ausreichende finanzielle Zuwendungen, durch eine Personalpolitik des Hessischen Kultusministeriums und des Staatlichen Schulamts, die eine Unterrichtskontinuität wegen befristeter Beschäftigungsverhältnisse erschwert, durch die immens hohe Arbeitszeit für Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen.

Die Albert-Schweitzer-Grundschule ist aber auch eine Schule, die ein äußerst engagiertes Kollegium hat und die deshalb viele Bereiche einer innovativen kindgerechten Grundschulpädagogik im Alltag umsetzt. Seien es Standards der heutigen Grundschulpädagogik wie Morgenkeis und Wochenabschluss, sei es inklusiver Unterricht, das Ganztagsangebot, das selbständige Lernen in individuellen Zeitabläufen, das Angebot eines warmen Mittagessens, die Hausaufgabenbetreuung und ganz neu: der jahrgangsübergreifende Unterricht, der im kommenden Schuljahr starten wird.

Es gäbe noch viel zu sagen zu dieser Schule. Aber all das war nicht der Grund, weshalb ich die Schule für den Lina-Muders-Preis vorgeschlagen habe.

Anlass war die solidarische und unbürokratische Hilfe, die Schule und Förderverein Flüchtlingskindern zukommen lässt.

Zunächst erlebte ich das auf einer ganz persönlichen Ebene. Als Verpflichtungsgeberin für eine syrische Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern suchte ich Ende der Sommerferien Schulplätze für die Kinder. Nach einem Anruf erklärte sich die Albert-Schweitzer-Schule sofort bereit, die beiden jüngeren Kinder in ihre Klassen aufzunehmen. Das Kollegium der Schule sammelte und finanzierte so die schulische Erstausstattung für das kleinste Mädchen. Und Sie, die Sie Eltern und Großeltern sind, wissen, was da an Kosten zusammen kommt. Der Förderverein finanzierte sowohl das Mittagessen wie auch die Betreuung am Nachmittag.

Ich war beeindruckt und berührt von der entgegengebrachten Hilfe und Solidarität.

Mir ist aber auch bewusst, dass Schule und Förderverein bei dieser individuellen Hilfe schnell an ihre Grenzen stoßen werden.

Und dennoch: Das Schicksal der vielen Flüchtlingskinder im Camp berührte die Kolleginnen und Kollegen der Albert-Schweitzer-Schule sehr.

Denn Kinder aus den Erstaufnahmelagern haben keinen Anspruch auf schulische Bildung, es sei denn, diese wird zivilgesellschaftlich organisiert. Und genau hier wurde die Albert-Schweitzer-Schule wieder aktiv.

Im ersten Schritt lud der Förderverein Kinder aus dem Camp in der Spilburg zu einem Ausflug in das Takka-Tukka-Abenteuerland bei Fulda ein. Kinder, die in einer Alltagssituation leben, die sie wenig Freude erleben lässt, sollten einen unbeschwerten Tag erleben können. Etwa 100 Kinder und begleitende Eltern nahmen an dem Ausflug teil und konnten unvergessliche Stunden genießen.

Im nächsten Schritt entwickelte die Albert-Schweitzer-Schule das Konzept, Flüchtlingskindern aus dem Camp Unterricht anzubieten, nach dem regulären Unterricht und freiwillig und ehrenamtlich durch Lehrerinnen und Lehrer der Schule. Den Kindern unterschiedlicher Nationalität sollte die Möglichkeit geboten werden, aus ihrer Unterkunft herauszukommen und an zwei Nachmittagen in der Woche ein wenig Schulnormalität zu erleben. Denn die Kinder der Erstaufnahmeeinrichtung sind noch nicht anerkannt und dürfen deshalb nicht den Regelunterricht einer Schule besuchen. Sponsoren wurden gesucht, die Schultüten, Mäppchen, Schulrucksäcke und die Kosten für die Bustransporte vom Camp zur Schule finanzierten.

Ja, die Albert-Schweitzer-Schule ist eine stattliche Institution. Aber sie gibt den Flüchtlingskindern für ihren schwierigen Lebensalltag eine Bereicherung, die nicht im Rahmen des dienstlichen Auftrags erfolgt, sondern durch freiwilliges ehrenamtliches Engagement mit Leben gefüllt wird. Die Albert-Schweitzer-Schule und ihr Förderverein sind geprägt von einem Geist, der Weltoffenheit und Toleranz sichtbar werden lässt. Sie leben die Willkommenskultur, von der so viel die Rede ist.

Die Würdigung der Schule und ihres Fördervereins halte ich auch deshalb für so wichtig, weil sich die rechtspopulistisch bis neonazistische »Bürgerinitiative gegen Asylmissbrauch im Lahn-Dill-Kreis« mit rassistischen Angriffen gegen die Schule bei Facebook zu Wort meldete. Anlass für die rassistische Hetze war, dass die Schule das Thema Flucht und Fluchtursachen im Unterricht behandelte.

Und deshalb danke ich der Jury, dass sie meinem Vorschlag folgen konnte und einen der Preise der Albert-Schweitzer-Schule zugesprochen hat.

 

Nach oben

 

Laudator: Thomas Le Blanc
Bibliotheksvorstand der Phantastischen Bibliothek, Schriftsteller und Herausgeber

Anrede

Im Sommer 2015 hat sich unsere Welt verändert – und zwar auf doppelte Weise: Kriege, Not, Verfolgung, Terror, Zerstörungen, Gefängnis, Hinrichtungen, Hunger, das waren Dinge, die man bislang nur aus den Nachrichten gekannt hat und die scheinbar weit weg gewesen sind: in Asien, in Afrika. Diese schrecklichen Dinge standen plötzlich vor unserer Haustür und hatten Gesichter. Wir konnten am Fernseher nicht mehr auf einen anderen Sender umschalten. Wir wurden hautnah konfrontiert mit Menschen, die aus nicht mehr existierenden Staaten oder aus Staaten mit autoritären Regimes großenteils zu Fuß zu uns gekommen sind: ohne Besitz, verwundet, krank, traumatisiert und mit der Hoffnung, hier Schutz zu finden und ein menschenwürdiges Leben.

Und da die Organe unseres Staates mit dieser neuen gewaltigen Aufgabe, plötzlich eine Mio. Menschen zu versorgen und ihnen eine neue Lebensperspektive zu geben, völlig überfordert waren und es noch sind, ist eine überwältigend große Zahl von Menschen aus allen sozialen Schichten aufgestanden und hat diese notwendige Hilfe zu ihrer Aufgabe gemacht. Und das ist die zweite Veränderung unserer Welt: Dass unsere manchmal als kalt gescholtene Gesellschaft in einer Notsituation funktioniert und Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft wie selbstverständlich lebt.

Hier in Wetzlar und Umgebung hat es für diese Aufgabe bereits eine funktionierende Organisation gegeben: den Verein »Flüchtlingshilfe Mittelhessen«. Er war seit den Jugoslawien-Kriegen aktiv und hat dann viele Jahre eher im Hintergrund gearbeitet und sich um Einzelschicksale von Flüchtlingen gekümmert (denn in den vergangenen Jahren, das vergessen wir manchmal, sind ja auch zahlreiche Menschen zu uns gekommen, die Schutz gesucht haben). So war bereits eine Anlaufstelle da, an die sich all die spontanen Helfer wenden konnten

  • die Kleider, Spielzeug, Lebensmittel spenden
  • die Flüchtlinge betreuen, sie bei ihren Behördengängen unterstützen, ihnen die Formulare unserer Verwaltungen erklären
  • ihnen Wohnungen geben
  • Praktikumsplätze, sogar Arbeitsplätze
  • medizinische Versorgung
  • Deutschkurse

Vor allem der letzte Punkt ist von zentraler Bedeutung, wobei wir statt Deutschkurse eigentlich Integrationskurse sagen müssen: denn es geht nicht nur um unsere Sprache, sondern auch um das Kennenlernen unserer Gesetze, unseres Zusammenlebens, unseres Sozialstaats, der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Freiheit der Meinungsäußerung, bis hin zu so etwas sehr Profanem wie unsere Straßenverkehrsordnung: dass nämlich eine Rote Ampel bei uns kein Angebot ist, sondern eine lebenswichtige Sicherheitsregel. Wir alle wissen, dass es den Flüchtlingen nicht nur um ein Bett und warme Kleidung und hinreichende Ernährung geht. Es geht um ein lebenswertes Leben, es geht um Menschenwürde – und wir sollten niemals vergessen, dass der Artikel 1 unserer Verfassung nicht nur für Deutsche, sondern für alle Menschen gilt: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.«

Wenn Bettina Twrsnick heute den Lina Muders Preis erhält, dann bekommt sie ihn nicht nur als Person, sondern auch als Gesicht einer ganzen Bewegung von Menschen, also stellvertretend für die nicht mehr zählbaren Helfer in unserer Region, die unter Einsatz ihrer eigenen Zeit und Kraft hilfesuchenden Menschen ein Willkommen bieten, die mit ihrem Engagement auch ein Zeichen setzen gegen Ausgrenzung, gegen jede Art von Gewalt, gegen Verfolgung, die Menschen aus anderen Kulturen mit Offenheit begegnen und – das wollen wir gar nicht verschweigen – die dabei auch sich selbst neu kennenlernen und lernen, eigene Vorurteile bei sich abzubauen.

Nur weil es engagierte Menschen wie Bettina Twrsnick und ihre vielen Mitstreiter gibt – und ich sehe einige dieser Menschen jeden Morgen, wenn sie bei uns in der Phantastischen Bibliothek Deutschkurse geben –, deshalb ist dies ein Land, in dem Integration gelingt. in dem der vielzitierte Satz "Wir schaffen das" zwar vielleicht nicht auf die Regierung in Berlin zutrifft – aber hier vor Ort stimmt er, wo all die hilfesuchenden Personen aufgenommen und integriert werden.

Zum Schluss will ich noch ein Wort an die anwesenden Politiker und die Vertreter der zuständigen Verwaltungsebenen richten: Ich appelliere an Sie: Wenn Bettina Twrsnick Sie morgen wieder nervt – und das wird sie tun –, dann denken Sie bitte daran, warum sie das tut: Sie tut es für die bei uns schutzsuchenden Flüchtlinge; sie tut es für die mittlerweile an ihre Grenzen gekommenen Helfer; und damit tut sie es für unser Gemeinwesen, für uns alle.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

 
 

Warum gibt es den Lina-Muders-Preis

»Demokratie braucht bürgerschaftliches Engagement, Zivilcourage und Toleranz!« Diese Erkenntnis war für die Wetzlarer SPD vor nahezu zehn Jahren Veranlassung, der Frage nachzugehen, welcher Beiträge es bedarf, um das demokratische Bewusstseins, das bürgerschaftlichen Engagements und die Zivilcourage zu stärken. So entstand der Lina-Muders-Preis, um bürgerschaftliches Engagement auszuloben, öffentlich anzuerkennen und zu fördern.

Demokratie braucht bürgerschaftliches Engagement, Zivilcourage und Toleranz!
Von OB Manfred Wagner
(SPD-Stadtverbandsvorsitzender)

Diese Erkenntnis war für die Wetzlarer SPD vor nahezu zehn Jahren Veranlassung, gemeinsam mit Uwe-Karsten Heye, dem früheren Regierungssprecher von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der damals dem Verein »Gesicht zeigen« vorstand, in öffentlicher Runde der Frage nachzugehen, welcher Beiträge bedarf es, um das demokratische Bewusstseins, das bürgerschaftlichen Engagements und die Zivilcourage in unseren Städten und Gemeinden zu stärken.

In dieser Veranstaltung hielt Uwe-Karsten Heye damals der Gesellschaft relativ klar und deutlich den Spiegel vor. Sein nüchterner Befund beschrieb Übergriffe auf Menschen, weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere sexuelle oder religiöse Orientierung oder andere Lebensentwürfe haben.

Er kennzeichnete die Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger unseres Staates die Verbrechen der Nazis gegen die Menschlichkeit leugnen, dass Einschüchterungen und Übergriffe auf Menschen verübt werden, die sich mit dem Phänomen »Rechtsradikalismus« auseinandersetzten und diese besorgniserregenden Entwicklungen ans Tageslicht bringen.

Er setzte sich aber auch mit Erfahrungen auseinander, die zunehmend unseren Alltag kennzeichneten. Nämlich, dass Menschen sich häufig wegschauen, wenn andere bedroht werden und in Gefahr sind.

Für die Wetzlarer Sozialdemokratie war diese Ausgangslage Veranlassung, den Lina-Muders-Preis auszuloben und in der Folge regelmäßig zu verleihen.

Heute – einige Jahre später – verspüren wir, dass in unserer Gesellschaft Entwicklungen stattfinden, die diese Sorgen – die vor Jahren zu artikulieren waren – nicht wegwischen, sondern deutlich bestärken.

Von einem tatsächlichen Wandel will ich nicht reden. Dies wäre alles andere als angemessen und richtig angesichts der klaren aufgeklärten und rechtsstaatlichen Haltung vieler Menschen in unserem Land und der deutlich vernehmbaren Stimmen derer, die das Wort »Nie wieder!« ernst nehmen und im Angesicht derer, die dafür stehen, den Anspruch unseres Grundgesetzes »Die Würde des Menschen ist unantastbar« zu verteidigen und mit Leben zu erfüllen und all derer, die den gesellschaftlichen Dialog auf der Basis unseres Grundgesetzes mit dem Ziel des Zusammenhalts und nicht des Gegeneinanders zu führen.

Doch da wir alle hören und sehen können, müssen wir zur Kenntnis nehmen: spätestens seit der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen, die aus existenzieller Sorg um Leib und Leben oder vor Gesundheits-, Hunger- und Elendskatastrophen den Weg nach Europa und nach Deutschland suchen, verschärft sich die Tonlage in unserem Land, nehmen klar rechtsradikal zu verortende Straftaten zu. Die Hemmschwelle sinkt!

Manch irre Geister in unserem Land fühlen sich durch die Schwäche Europas ermutigt und bestärkt, in der Flüchtlingsfrage keine klare und gemeinsame Antwort zustande zu bringen. Europa, das uns in unseren Breiten über sieben Jahrzehnte Frieden gewahrt hat, das für unser Land gleichbedeutend ist mit wirtschaftlichen Vorteilen, schafft es in diesen Stunden und Tagen nicht deutlich zu machen, dass die Europäische Union wirklich eine Wertegemeinschaft ist. Die, die gestern noch die Solidarität Europas beim Weg in eine demokratische Gemeinschaft und beim Aufbau ihres Staates empfingen, sind heute diejenigen, die der Solidarität gegenüber Dritten am stärksten Maße ablehnend gegenüberstehen.

Die Frage, ob Europa eine Gemeinschaft mit einheitlichen Werten ist, stellt sich zunehmend. Doch auch im eigenen Land stellt sich die Frage, wie wir es mit unseren Werten halten. Die Frage nach dem gesellschaftlichen Grundkonsens, der bisher für die doch so erfolgreiche Entwicklung in unserem Land– gerade auch in herausfordernden Zeiten wie dem Einigungsprozesses – tragend war, wird von vielen derzeit doch in Frage gestellt.

·      Wenn Ministerpräsidenten über die Herrschaft des Unrechts an den Landesgrenzen schwadronieren,

·      wenn Bundeskanzlerin Merkel eine humanitäre Linie in der Flüchtlingspolitik verfolgt und Rechtsaußen ihrer Partei, wie ihr heimischer Landtagsabgeordneter in Blättern, wie der »Jungen Freiheit« publizieren und mit ihren Botschaften zu ihrer Kanzlerin auf Distanz gehen,

·      wenn die Damen an der Spitze der AfD, die zum Teil in der DDR sozialisiert sind, über die Anwendung von Waffengewalt an den Grenzen unseres Landes reden, also bewusst Grenzen überschreiten um zu provozieren, oder sich in die These versteigen, die Bundeskanzlerin müsse das Land in Richtung Chile verlassen,

dann muss man sich über vieles von dem, was gegenwärtig geschieht, nicht wirklich verwundert zeigen.

Doch wohin führt diese Entwicklung?
Wohl keineswegs zu einer Stärkung unserer Grundwerte, dessen darf man sich gewiss sein. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht keineswegs darum, Unrecht nicht beim Namen zu nennen. Es geht nicht darum Fehler zu vertuschen.

Doch kann es doch nicht unwidersprochen hingenommen werden, dass in unserem Rechtsstaat die verfassungsmäßig garantierte Freiheit der Presse inzwischen mit Sprüchen wie – ich zitiere aus der aktuellen Ausgabe des Spiegels »Ekelhafte Propaganda – Ihr seid die schlimmsten Hetzer seit Goebbels« oder »Euch kriegen wir auch noch! Redaktionsnamen, Angehörige und Familien. Alles kein Ding heutzutage …« quittiert wird

Es kann auch nicht unwidersprochen hingenommen werden, wenn sich in unserer Gesellschaft zunehmend Hass und Gewalt ausbreiten. Jeder, der sich außerhalb unserer Rechtsordnung stellt muss die Konsequenz des Rechtsstaates spüren und das möglichst schnell. Egal, ob es diejenigen sind, die in der Silvesternacht in unseren Großstädten insbesondere Frauen in ihrer Würde zutiefst verletzt und Straftaten begangenen haben, oder aber die Deutschen, die Flüchtlingsheime anzünden. Hier kann und darf es keinen Unterschied geben zwischen Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund.

Und dort, wo Vollzugsdefizite bestehen, dort muss zwingend nachgesteuert werden, damit das demokratisch gesetzte Recht zur Anwendung und Umsetzung gelangt. Denn nur das Recht sichert unsere Freiheit. Und in dem Kontext muss ernsthaft darüber neu befunden werden, wie stark oder wie schwach der Staat sein muss, damit er seine Garantenfunktion erfüllen kann.

Es gibt aber auch, die vielen guten Beispiele und Zeichen einer funktionierenden Bürgergesellschaft und die dafür häufig ehrenamtlich arbeitenden Menschen herauszustellen, indem wir ihr selbstbewusstes Tun wertschätzen und würdigen.

Dies wollen wir mit dem Lina-Muders-Preis tun.

Anlässlich der Preisverleihung am 15.02.2016.